Das Wichtigste in Kürze
- Das Projekt „FlexCharge BW, NETZlabor E-Lkw" der Netze BW läuft an vier Standorten im realen Betrieb.
- Größte Bremse ist laut Netze BW nicht ein einzelnes Bauteil, sondern das Zusammenspiel aus Netz, Technik und Speditionsalltag.
- Erste Daten zeigen Zeitfenster zwischen Ankunft, Laden und nächster Tour, also Potenzial für netzdienliches Laden.
- In Deutschland entscheiden über 860 Verteilnetzbetreiber, ob ein Depot die nötige Anschlussleistung bekommt.
- Prof. Markus Lienkamp von der TU München rät Speditionen, frühzeitig mit dem Netzbetreiber zu sprechen.
Was testet die Netze BW im NETZlabor E-Lkw?
Die Netze BW erprobt das Laden von E-Lkw im Depot. Das Projekt heißt „FlexCharge BW, NETZlabor E-Lkw". electrive.net berichtet darüber im Interview mit den Projektleiterinnen Dr. Kathrin Walz und Nadine Eisinger.
Erprobt wird bei zwei Logistikpartnern aus Baden-Württemberg. Mit dabei sind die Spedition Stickel aus Nagold und Logistik Schmitt aus Bietigheim. Insgesamt sind vier Standorte im realen Betrieb.
Im Projekt werden echte Lade-, Fahrzeug- und Betriebsdaten erfasst. Daraus entsteht laut Netze BW die Grundlage, um Ladeprozesse im Logistikalltag besser zu verstehen.
„Wir testen nicht unter idealisierten Laborbedingungen, sondern dort, wo die Technik später bestehen muss, im realen Alltag von Speditionen.“
— Netze BW, Dr. Kathrin Walz und Nadine Eisinger, Projektleiterinnen FlexCharge BW, gegenüber electrive.net

Was ist die größte Bremse fürs Depotladen?
Die größte Bremse ist laut Netze BW kein einzelnes Bauteil. Es ist das Zusammenspiel vieler Systeme.
„Die größte praktische Herausforderung liegt weniger in einer einzelnen technischen Komponente, sondern vor allem im Zusammenspiel verschiedener Systeme und Abläufe.“
— Netze BW, gegenüber electrive.net
Das Stromnetz muss stabil bleiben. Gleichzeitig muss der Speditionsalltag zuverlässig laufen. Beides unter einen Hut zu bringen, das ist die eigentliche Aufgabe.
Konkret formuliert es Netze BW so: Wie können wir Ladezeiten flexibel steuern, ohne den laufenden Betrieb einer Spedition zu stören? Genau daran arbeitet das Projekt.
Wie viel Zeitfenster gibt es beim Laden wirklich?
Erste Analysen aus dem Projekt zeigen: Zwischen Ankunft, Laden und nächstem Einsatz entstehen Zeitfenster. In einigen Fällen scheint es möglich, den Ladevorgang flexibel zu steuern, ohne den Betrieb zu stören, so die Netze BW gegenüber electrive.net.
Was bedeutet netzdienliches Laden?
Ladezeiten werden so gesteuert, dass sie das Stromnetz nicht überlasten. Lkw werden bevorzugt geladen, wenn das Netz gerade wenig Last hat. So wird Ladestrom zur flexiblen Größe.

Warum entscheidet der Verteilnetzbetreiber über Erfolg oder Scheitern?
In Deutschland gibt es über 860 Verteilnetzbetreiber. Sie müssen Wärmepumpen, Pkw-Ladestationen, Rechenzentren und Erneuerbare-Energien-Anlagen in ihre Netze aufnehmen. Bei dieser Last entscheidet am Ende der Verteilnetzbetreiber, ob ein Depot die nötige Anschlussleistung bekommt.
„Wie schnell bekommen Logistikdepots ihre Netzanschlüsse oder auch angepasste vertraglich vereinbarte Bezugsleistung?“
— Prof. Markus Lienkamp, TU München, im electrive-Interview
Im Rahmen der electrive-Themenwoche Truck Charging wurde dieser Punkt vielfach betont. Netzengpässe können den Aufbau von Ladeinfrastruktur ausbremsen, heißt es dort.

Was sollten Speditionen jetzt tun?
Wer ein Depot elektrifizieren will, sollte früh das Gespräch mit dem eigenen Netzbetreiber suchen. Das empfiehlt auch Prof. Markus Lienkamp von der TU München.
- Zuständigen Verteilnetzbetreiber am Standort ermitteln.
- Benötigte Ladeleistung und Anzahl der Lkw realistisch schätzen.
- Frühzeitig Anschlussleistung anfragen und Bezugsleistung vertraglich absichern.
- Lastmanagement und zeitliche Flexibilität von Anfang an mitplanen.
Häufige Fragen
- Wer entscheidet, ob ein E-Lkw-Depot Strom bekommt?
- Der zuständige Verteilnetzbetreiber. Er prüft, ob die gewünschte Anschlussleistung im Netz verfügbar ist.
- Was bedeutet netzdienliches Laden?
- Ladezeiten werden so gesteuert, dass sie das Stromnetz nicht überlasten. Lkw laden bevorzugt, wenn das Netz wenig Last hat.
- Wo testet die Netze BW das Depotladen?
- An vier Standorten in Baden-Württemberg, bei der Spedition Stickel in Nagold und bei Logistik Schmitt in Bietigheim.
- Warum raten Experten zum frühen Gespräch mit dem Netzbetreiber?
- Anschlussleistung und Bezugsleistung brauchen Vorlauf. Wer zu spät plant, riskiert lange Wartezeiten und Engpässe.



