Das Wichtigste in Kürze
- Der kWh-Preis an öffentlichen Ladestationen hängt laut Cariqa-CCO Tamara Ciullo oft von der Zugangs- bzw. Zahlungsmethode ab, nicht von Angebot und Nachfrage.
- E-Mobility-Provider (eMSP) wirken als Zwischenhändler mit Roaming-Aufschlägen und bauen aus Sicht von Cariqa eine Wand zwischen CPO und Endkunden.
- Cariqa positioniert sich als Plattform, nicht als eMSP: Der Ladestationsbetreiber (CPO) behält die Preiskontrolle und kann Tarife dynamisch anbieten.
- Skalierung soll über Masse und Volumen laufen, nicht über höhere Margen, „Unser Ziel ist die Masse“.
- Der Fokus der Branche verschiebt sich vom reinen Infrastrukturausbau hin zur Profitabilität bestehender Ladeparks, insbesondere im DC-Bereich.
Der „Orangen-Test" als Bild für den Markt
Im Talk bei electrive LIVE zieht Tamara Ciullo, Co-Founder und CCO des Berliner Startups Cariqa, einen bildhaften Vergleich: Wer im Supermarkt für Orangen je nach Zahlungsmethode 1,00 €, 1,20 € oder 1,50 € zahlen müsste, würde den Laden verlassen. Genau diese Situation beobachtet sie beim öffentlichen Laden von E-Autos. Statt eines einheitlichen, nachfrageorientierten kWh-Preises entscheide vielfach die Zugangs- oder Bezahlweise über die Kosten, ein Effekt, der nicht durch Angebot und Nachfrage, sondern durch die Marktstruktur entstehe, so electrive.

eMSP als Trennwand zwischen Angebot und Nachfrage
Für Ciullo ist die bestehende Marktarchitektur das eigentliche Hindernis: E-Mobility-Provider (eMSP) kauften Ladestrom und verkauften ihn mit Roaming-Aufschlägen weiter. So entstehe eine „Wand zwischen Nachfrage und Angebot", kritisiert die CCO laut electrive. Während der Ausbau der Ladeinfrastruktur jahrelang im Fokus stand, rücke nun die oft geringe Auslastung, insbesondere der DC-Lader, und damit die Profitabilität in den Mittelpunkt.
Plattform statt Zwischenhändler
Cariqa positioniert sich bewusst nicht als eMSP oder Wiederverkäufer, sondern als technologische Plattform, die Ladestationsbetreiber (CPO) direkt mit E-Autofahrerinnen und -Autofahrern verknüpft. Der CPO behält laut electrive die Preiskontrolle und kann Tarife dynamisch gestalten, etwa als Tag-Nacht-Modelle oder KI-gestützt. Das Preissignal solle ungefiltert beim Endkunden ankommen und so aktiv Nachfrage steuern.
„Preis ist ein Hebel. Und wenn man den Preis richtig einsetzt, ist er das Hauptinstrument für Ladestationsbetreiber, um Nachfrage zu kreieren.“
— Tamara Ciullo, CCO von Cariqa, im electrive-LIVE-Talk

Skalierung über Masse statt Marge
„Unser Ziel ist die Masse", betont Ciullo im Gespräch. Das Geschäftsmodell setzt nach eigener Darstellung auf ein hohes Transaktionsvolumen, um die Kostenstruktur zu verbessern, anstatt die Margen weiter zu erhöhen. Mit dem Slogan „Preis ist ein Signal und genau da wollen wir wieder hin" formuliert sie das Ziel eines funktionierenden Marktes, in dem Tarife wieder eine Lenkungswirkung entfalten.
Reibung mit der etablierten Branche
Dass Cariqa mit diesem Ansatz bestehende Geschäftsmodelle in Frage stellt, ist Ciullo bewusst: „Natürlich, wenn man ein bisschen den Käfig rüttelt, macht man natürlich auch ein paar Feinde, aber das ist normal", wird sie bei electrive zitiert. Diskutiert wird der Ansatz in den Kommentaren des Beitrags unter anderem am Beispiel der TEAG, deren HPC-Konditionen je nach Zugangsweg auseinanderliegen.
Was bedeutet das für Endkunden?
Konkret verspricht das Modell, dass sich Preise nicht mehr je nach App oder Ladekarte unterscheiden, sondern vom Betreiber selbst gesetzt und live angepasst werden können. Ob das in der Breite ankommt, hängt davon ab, wie viele CPOs ihre Direktpreise tatsächlich öffnen und wie sich Roaming-Entgelte im Wettbewerb entwickeln.

Hintergrund zum Vortrag
Der Vortrag von Tamara Ciullo ist Teil der Online-Konferenz electrive LIVE und als 18:15-Minuten-Video im electrive-Beitrag vom 22.06.2026 eingebettet. Verfasst wurde der Artikel von Florian Treiß.
Häufige Fragen
- Was kritisiert Tamara Ciullo am Lademarkt?
- Sie kritisiert, dass der kWh-Preis oft nicht durch Angebot und Nachfrage bestimmt wird, sondern je nach Zugangs- und Zahlungsweg variiert, ein Effekt, der laut electrive vor allem durch die Rolle der eMSP als Zwischenhändler entsteht.
- Was unterscheidet Cariqa von klassischen Lade-Tarifanbietern?
- Laut electrive versteht sich Cariqa als technische Plattform, nicht als eMSP: Der CPO behält die Preiskontrolle und kann Tarife direkt und dynamisch an Endkunden ausspielen.
- Welche Rolle spielen dynamische Preise in dem Modell?
- Ciullo sieht den Preis als Hebel zur Nachfragesteuerung, etwa über Tag-Nacht-Tarife oder KI-gestützte Anpassungen, um die Auslastung insbesondere von DC-Ladern zu verbessern.
- Wo kann man den Vortrag sehen?
- Der gesamte Vortrag von Tamara Ciullo ist als 18:15-minütiges Video im electrive-Beitrag vom 22.06.2026 verfügbar (electrive LIVE).



